„Steve Jobs kann man nicht ersetzen“
F.A.Z.-Redakteur Carsten Knop hat Steve Jobs und Apple seit 1999 journalistisch begleitet und darüber ein besonderes Tagebuch geführt. Auch über seinen Tod hinaus wird Steve Jobs für seine Anhänger unsterblich bleiben. Er hat eine Marke erschaffen, die Massen anspricht und trotzdem cool geblieben ist. In einem Interview verrät uns Autor Carsten Knop, was ihn an Apple und Steve Jobs so fasziniert, wie er Steve Jobs kennengelernt hat und warum sein neues Buch nicht auf einem Mac entstanden ist.
Wann hatten Sie die Idee, ein Buch über Steve Jobs zu schreiben? Das Buch müssen Sie doch schon lange vor dessen Tod geplant haben …
… die Idee kam mir zu Beginn dieses Jahres. Ich habe Apple seit 1999 journalistisch begleitet. Ich hatte eine Menge Material gesammelt, viele Erinnerungen im Kopf. Die wollte ich aufschreiben, nicht zuletzt auch als Erinnerung für meine Kinder, die nicht mehr mit Berichten über den lebenden Steve Jobs aufwachsen, aber von seinen Produkten noch eine Weile fasziniert sein werden.
Wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch über Apple und seinen Mitbegründer zu schreiben? Was fasziniert Sie selbst an Apple und Jobs?
Ich habe in meiner Arbeit als Wirtschaftsredakteur für die Frankfurter Allgemeine Zeitung schon viele Vorstandsvorsitzende kennenlernen dürfen, aber keine Begegnung war jemals so intensiv wie die mit Steve Jobs. Der Mann hatte eine fordernde Aura um sich, er hatte ein inneres Feuer, er brachte die Menschen in seinem Umfeld dazu, ihr Bestes zu geben. Das war faszinierend, auch sehr inspirierend. Im Buch heißt es, er habe unsere Kreativität gefördert und gefordert. Genau so war es, auch mit Blick auf die Entstehung des Buchs.
Woher haben Sie die detaillierten Kenntnisse über Steve Jobs? Haben Sie ihn tatsächlich persönlich treffen dürfen?
Ja, ich war in den vergangenen Jahren natürlich mehrfach Gast auf öffentlichen Veranstaltungen in New York, San Francisco und Paris. Aber ich hatte auch das Glück, ihn persönlich im Einzelgespräch interviewen zu können.
Wie haben Sie Steve Jobs erlebt? Was war er für ein Mensch?
Er war jemand, der wenig von sich selbst erzählte, aber alles tat, um seine Produkte zu verkaufen – und dabei möglichst viel auch über seinen Gesprächspartner herausfinden wollte: nicht über dessen Lebenslauf, aber über dessen intellektuelle Fähigkeiten. Es ging nach dem Motto: Ist er es wert, dass ich mich mit ihm unterhalte?
Beschreiben Sie kurz, wie Apple unser aller Leben dominiert! Wie ist ihm das gelungen? Es gab doch auch Flops, die Sie in Ihrem Buch erwähnen …
Ja, die gab es. Den ersten Macintosh-Computer zum Beispiel, oder den durchsichtigen, würfelförmigen G4-Cube. Aber mit iPod, iPhone und iPad hat Jobs unser Leben verändert, die Musikindustrie, das Verlagsgeschäft, die Art, wie wir mobil kommunizieren. Er hat es geschafft, diese Produkte so simpel zu machen, dass jedermann damit umgehen kann. Apple ist zu einem generationsübergreifenden Phänomen geworden.
Kann es – Ihrer Einschätzung nach – einen Nachfolger geben, der Steve Jobs’ Rolle einnimmt?
Steve Jobs kann man nicht ersetzen. Aber Jobs hat so gute Leute um sich versammelt, dass Apple noch eine ganze Weile ein erfolgreiches Unternehmen bleiben wird. Damit meine ich nicht nur Tim Cook, seinen Nachfolger im Amt des Vorstandsvorsitzenden, sondern zum Beispiel auch Jonathan Ive, den Chefdesigner. Und es ließen sich noch einige andere Manager nennen.
In Ihrem Buch schlagen Sie einen Bogen zwischen dem Tagebuch über ihre Begegnungen mit Steve Jobs und Apple und dem „Hier und Jetzt“. Ist das das Besondere an Ihrem Buch?
Ja, ich setze die Erfahrungen und Eindrücke, die sich im jeweiligen Tagebucheintrag widerspiegeln, in den „Hier-und-Jetzt“-Stücken immer auch in Bezug zur Gegenwart – und das nicht nur mit Blick auf Apple sondern auch mit Bezug auf die gesamte Informationstechnologie, andere Branchen und die Gesellschaft als solche.
Ein Kapitel Ihres Buches trägt die Überschrift: „Der Steve-Jobs-Effekt“. Was meinen Sie damit?
Steve Jobs ist ja in sein Unternehmen zurückgekehrt. Zu diesem Zeitpunkt stand es beinahe vor dem Ruin. Auch andere Unternehmen haben später versucht, Gründer oder Führungspersonen aus erfolgreicheren Zeiten zurückzuholen, um den „Steve-Jobs-Effekt“ zu wiederholen: Starbucks zum Beispiel oder Yahoo und Dell. Bei Starbucks hat es geklappt, bei Yahoo nicht. Das ist ein spannender Vergleich. Und der ebenfalls an die Spitze seines Unternehmens zurückgekehrte Michael Dell hat die Lage dort zwar stabilisiert, aber nicht annähernd den Erfolg, den Jobs in seiner zweiten Amtszeit bei Apple für sich reklamieren konnte.
Was möchten Sie den Lesern mit auf den Weg geben? Was möchten Sie mit Ihrem Buch vermitteln?
Dass man die Rede von Steve Jobs vor den Studenten in Stanford mit dem Leitmotiv „Bleibt hungrig, bleibt tollkühn“ wörtlich nehmen darf und sollte.
Sind Sie selbst ein großer Apple-Fan? Dann ist ihr Buch vermutlich auf einem Mac entstanden …
… ich habe diverse Apple-Produkte daheim, aber das Buch ist im Wesentlichen auf einem sogenannten Netbook eines Wettbewerbsunternehmens entstanden. Vielleicht hat das auch für den nötigen Abstand gesorgt, um die Begeisterung nicht zu groß werden zu lassen …
Wagen Sie einen Blick in die Zukunft: Wird Steve Jobs in uns weiterleben? Wird sein Werk unvergessen bleiben?
Ja, denn er hat mit seinem Schaffen von Beginn an auch diverse Konkurrenzprodukte beeinflusst. Man muss keinen Apple nutzen, um davon zu profitieren. Er hat die Produkte der Informationstechnologie in jedem Fall unkomplizierter gemacht. Das bleibt.
Herzlichen Dank, Herr Knop, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben!
Die Fragen stellte Kirstin Gründel, Frankfurter Allgemeine Buch.